Preise und Ehrungen

5. April 2015

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2015

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21. Juni 2013

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2013

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10. September 2011

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2011

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25. Mai 2011

Deutscher Medailleurpreis Johann Veit Döll

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15. Juni 2009

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2009

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21. Juni 2008

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2008

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20. Oktober 2007

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2007

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1. September 2006

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2006

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5. November 2005

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2005

Der Preis wird seit 2005 gemeinsam von der DGMK und der Kulturgemeinschaft Kressbronn/Bodensee für ein umfangreiches und künstlerisch bedeutsames Werk auf dem Gebiet der Medaillenkunst vergeben. Der Name des Preises ist verbunden mit der Bildhauerin und Medailleurin Hilde Broër (1904-1987). Als Meisterschülerin von Ludwig Gies (1887-1966) an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst flüchtete sie 1943 nach Bombenangriffen auf Berlin und Zerstörung ihres Ateliers an den Bodensee und wählte Kressbronn zu ihrer neuen Heimat.

Abb.: Hilde Broër, Menschen und Engel, 1968; Vorderseite der Medaille zum Hilde-Broër-Preis.

Das umfangreiche künstlerische Werk von Hilde Broër ist 2004 publiziert:
Wolfgang Steguweit: Hilde Broër. Leben und Werk. Berlin 2004: Gebr. Mann Verlag (3-7861-2490-6).

Bisherige Preisträger:
2005: Hans Karl Burgeff (1928-2005), Köln, Weibern/Eifel
2006: Heide Doberkau (geb. 1929), Bergisch-Gladbach/Refrath
2007: Wilfried Fitzenreiter (1932-2008), Berlin
2008: G. Angelika Wetzel (geb. 1934), Stuttgart
2009: Peter G. Güttler (geb. 1939), Dresden

Den Preisträgerband 2005-2008 als PDF (11 MB) siehe unter Publikationen.

Laudatio für Hans Karl Burgeff (20.4 1928 – 25.11. 2005)
Wolfgang Steguweit

Folgt man den Spuren von Ludwig Gies (1887-1966) und sucht dessen Wirkungen für die Medaillenkunst im 20. Jahrhundert zu ergründen, wird man den Namen zweier Bildhauermedailleure und begnadeter Künstler begegnen: Hilde Broër (1904-1987) und Hans Karl Burgeff , und wird dabei wieder auf Gies zurückverwiesen.
1927 hatte es die 23 jährige Hilde Broër nach kurzer Ausbildung zur Keramikerin und Bildhauerin in Köln nach Berlin gezogen. Ihr Ziel waren die „Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst“ und Ludwig Gies, der dort lehrende „Plakettenkünstler“– wie Hilde Broër ihren Lehrer gelegentlich schmunzelnd apostrophierte. Der Unterricht in dessen Fachklasse war intensiv und vielseitig. Gies arbeitete mit Holz, Metall, Elfenbein, Porzellan. Vom Metalltreiben, Ziselieren, Emaillieren, Modellieren reichte die Palette über graphische Techniken, experimentelles Arbeiten in Glasmalerei, Mosaizieren bis hin zu baugebundenen Gestaltungen. Es galt das Bauhausprinzip, eine gründliche handwerkliche Ausbildung ist unerlässliche Grundlage für alles bildnerische Schaffen. Relieftechnik und Medaillenschneiden in Gips waren fester Bestandteil des Lehrprogramms. Hilde Broër entwickelte daraus in einem zwar früh angelegten, jedoch in langer Lebensarbeit gewachsenen Reliefstil, zwei Ebenen im Wechsel zwischen Negativ und Positiv miteinander kommunizieren zu lassen.
Wie ihr Lehrer gestaltete auch Hilde Broër immer wieder christliche Themen, in denen Anfang und Ende in einem unendlichen Fluss des Lebens miteinander verbunden sind und Geburt und Tod Pole eines sich immer wieder aufs Neue vollziehenden Wechsels bilden. Darin eingebunden ist der Mensch als Teil des Kosmischen.
Wenige Jahre später erlebte die Künstlerin in Berlin mit Diktatur und Krieg zugleich die Gefährdung von Kunst und Kultur. Von dem Schicksal einiger ihrer ehemaligen Mitstudenten und Künstlerkollegen, die wegen ihres politischen Widerstands hingerichtet wurden wie Kurt Schumacher, ebenfalls Meisterschüler bei Gies, war sie nicht unberührt geblieben. Es waren deutliche „Warnsignale“, zu denen sich das Bedrohungsgefühl durch die Bombenangriffe auf Berlin gesellte. Hilde Broër verließ Berlin 1943 fluchtartig und fand in Kressbronn am Bodensee ihren neuen Lebensmittelpunkt und den Zenit ihres künstlerischen Schaffens.
Über Ihre Arbeit an den etwa 380 überlieferten Medaillen und Kleinreliefs äußerte sie einmal gegenüber dem Hannoveraner Sammler und Medaillenförderer Georg Wimmelmann nachdenklich:
„Künstlerisch gestaltete Plaketten sind in unserem lauten Kunstbetrieb wie Nachttiere. Sie drängen sich nicht vor, blähen sich nicht auf und kommen dem Betrachter nicht eigentlich entgegen. ... Der kleine Raum zwingt den Künstler, Umriß und Binnenform klar und kräftig zu gestalten. Für verspielte Einzelheiten ist kein Platz. Überflüssiges wird weg gestrichen, und so steckt bei aller Kleinheit viel Entschlossenheit in den Plaketten. Wer Plaketten gestaltet, ist somit dem, worauf es in der Kunst ankommt, stets sehr nahe...“

Hans Karl Burgeff, 1928 in Würzburg geboren, kam 1951, nahezu eine Künstlergeneration jünger als Hilde Broër, an die Kölner Werkschulen, wo Gies seit 1950 lehrte. 1956 dessen Meisterschüler, erhielt er 1968 selbst die Berufung als Lehrer für Bildhauerei und Bauplastik. Burgeff gehört somit einer Künstlergeneration an, die ihre Ausbildung bereits nach dem Krieg erhalten hatte. „Eine gänzlich neue Welt tat sich auf, uns allen vom Dritten Reich vorenthalten“, erinnerte sich Burgeff später an seine Studienzeit. Allein etwa 250 Medaillenarbeiten füllt das beeindruckende Œuvre Burgeffs; es ist am vollständigsten im Museum Schloß Moyland am Niederrhein konzentriert.
Fasziniert von den oft überraschenden Bildfindungen, man denke nur an die hintersinnigen, heiter-ironischen Pointen zum Thema „Aufbruch – Durchbruch“ von 1989/90, befragte ich Hans Karl Burgeff Jahre später zur künstlerischen Vorbildwirkung. In Vorbereitung befand sich 1998 eine Monographie der Medaillen des Künstlers (wie Anm. 2).
„Vor Gies werde ich mich immer verneigen“ – erfuhr der nach Leitbildern Ausschau Haltende, um dann auf die „genetische“ Vielfalt wahrer Kunst verwiesen zu werden:
„Bezeichnen könnte ich mich aber ebenso gut als Schüler von Giambologna oder Leonhard Posch, um nicht zu sagen, Claude Lorrain und Wilhelm Leibl.“

Anders als Hilde Broër, die mit ihren letzten Arbeiten der Natur nahe zu kommen suchte, indem sie Schwemmhölzer aus dem Bodensee behutsam farbig konturierte, sich immer mehr zurücknahm und somit selbst Teil des Universums im anthroposophischen Sinne wurde, blieb Burgeff ein realer Ausprobierer, für den die Weltgeschichte der Kunst wie das Meer ist:
„Es gibt Badestrände und Felsküsten“ –sagte er einmal – „man springt da und dort hinein. Lange bleibt man nie drin, die Haut weicht sonst auf oder man schlottert – man kehrt zurück an seine Sache!“
Zu seiner Sache hatte Burgeff weniger durch die Form als vielmehr durch die Freiheit und Bestimmtheit im Geiste seines Lehrmeisters Ludwig Gies gefunden. Selbstbewusst resümierte er:
„Hat man einmal das Auge geöffnet bekommen für das, was unter den Formen liegt, braucht man keinen Lehrer mehr zu befragen. Die Lehrer sind dann überall zu finden, in jedem Ding, Wesen oder Werk...“
Doch was so leicht daher gesagt kommt, Burgeff hat ein Leben lang mit Form und Gestalt seiner Miniaturphilosophien gerungen. Er hat die Kunst fertig gebracht, Ernstes und Hintersinniges heiter und entspannt zu formulieren und in eine zeitlos gültige Form zu bannen. Noch einmal hören wir den Meister:
„Wieviel Fläche kann ausgegraben werden, um damit höchste plastische Wirkung zu erzielen? (Ägypter) – Wie fest muß eine Fläche wirken, um eine extreme Erhebung zu tragen? (Posch) – Wie ist der geheime (oder öffentliche ) Mittelpunkt zu finden, ohne den keine Medaille bestehen kann? (z.B. Pisanello) – Warum ist das exakt kreisrunde Münzbild auch innerhalb noch ein Sonderfall?“
Hans Karl Burgeff hat diese Fragen mit einem ebenso vielschichtigen wie stringenten Lebenswerk beantwortet. Sein Max Pettenkofer auf der 5 DM-Gedenkmünze von 1968 ist das in seiner Expressivität vielleicht mutigste Münzporträt in der deutschen Münzgeschichte seit 1949. In den Stempel geschnitten oder für den Guss geformt, gibt es Medaillenporträts auf historische Persönlichkeiten, wie auf Zeitgenossen; immer wieder befindet sich darunter sein Lehrmeister Ludwig Gies. Erstmals gestaltete er ihn 1955, gebeugt, mit wachem, kritischen Auge zeichnend, letztmalig zum 100. Geburtstag, 1987. Burgeff, der Philosoph, fragt:
„Ist das Auge göttlich oder ein Prahlhans, Saugnapf oder eine Regentonne? …Wo hat es, das doch die Sinne dominiert, seine Wohnung? Warum ist der Ort so schwer zu finden?“ – und antwortete mit den Worten von Ludwig Gies: „Das Gesicht ist ein Hohlspiegel, es sammelt das Licht des Geistes.“
Viele seiner geistreichen Medaillenreflexionen entlehnte Burgeff mythologischen, aber auch christlichen Stoffen und Themen. Christophorusdarstellungen aus den 50er und 60er Jahren etwa, immer wieder auch Oster – und Weihnachtsmotive, strahlen eine Gelöstheit aus, die den Arbeiten Hilde Broërs mit deren feierlich-ernster, fast biblischer Entrücktheit entgegenstehen.

Broërs Medaillenrelief „Menschen und Engel“ von 1968 wählte das Kuratorium für die Bildseite des „Hilde–Broër–Preises für Medaillenkunst“. Darauf sind, dicht gedrängt, linear aufstrebende Menschenkörper von horizontal die Komposition überlagernden, gleichsam schwebenden Formen umgeben. Es sind Engel als himmlische Boten. Sie bilden einen Schild, der die Menschen vor Gefahren, auch vor Hybris schützt. Der Schild deutet zugleich eine fragile Brücke an, über die der Zugang zum Göttlichen – auch in der Kunst – zumindest haptisch und somit sinnlich wahrnehmbar wird.

Hans Karl Burgeff ist der erste Künstler, den die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst zusammen mit der Kulturgemeinschaft Kressbronn für das künstlerische Schaffen auf dem Gebiet der Medaille ehrt. Sein Name leuchtet auf einer imaginären Ehrentafel der Medaillenkünstler und kündet von einem gewichtigen Anteil für die Medaillenkunst in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zusammen mit Hilde Broër und Ludwig Gies.

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