Preise und Ehrungen

5. April 2015

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2015

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21. Juni 2013

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2013

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10. September 2011

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2011

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25. Mai 2011

Deutscher Medailleurpreis Johann Veit Döll

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15. Juni 2009

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2009

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21. Juni 2008

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2008

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20. Oktober 2007

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2007

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5. November 2005

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2005

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1. September 2006

Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst 2006

Verleihung des Hilde-Broër-Preises an Heide Dobberkau für ihr Medaillenschaffen anlässlich der Jahrestagung 2006 der DGMK am 1. September 2006 in Solingen.

Laudatio für Heide Dobberkau
Wolfgang Wissing

Zum zweiten Male wird heute – nach dem verstorbenen Bildhauer Hans Karl Burgeff – der Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst verliehen. Das Kuratorium zur Vergabe dieses Preises, bestehend aus Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst sowie der Kulturgemeinschaft Kressbronn, dem Ort, wo Hilde Broër von 1943 bis zu ihrem Tode 1987 lebte und wirkte, und in dem Teile ihres künstlerischen Nachlasses in Kressbronn und im benachbarten Langenargen gepflegt werden, entschied sich in diesem Jahr für die Verleihung an die Bildhauerin und Medailleurin Heide Dobberkau aus Bensberg–Refrath bei Köln. Es ist mir eine besondere Freude, die unter uns weilende Künstlerin auf das herzlichste zu begrüßen.
Mit dem Tier als zentralem Motiv ihrer künstlerischen Arbeit steht Heide Dobberkau in einer Tradition, die sich zu den großen Tierbildhauern des 20.Jahrhunderts zurückverfolgen lässt. Es seien so illustre Namen erwähnt wie August Gaul, Renée Sintenis, Ewald Mataré, Gerhard Marcks und Hans Wimmer, um nur einige zu nennen. Mit August Gaul (1869–1921) tritt uns um 1900 einer der ersten deutschen Bildhauer der klassischen Moderne entgegen. Noch ausgebildet bei Reinhold Begas als dessen Meisterschüler, schließt er sich dem Neoklassizismus eines Louis Tuaillon und Adolf von Hildebrand an, wobei Hildebrands Schrift „ Das Problem der Form“ den Scheidepunkt der Kunst zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert markiert. In Gauls Plastiken geht es nicht mehr darum, bestimmte Inhalte, Ideale und verbindliche Wertvorstellungen zu vermitteln, sondern um die reine, von aller Symbolik und Metaphorik befreite Tierdarstellung. In diesem Sinne verstand auch Louis Tuaillon das Tier als reines Formereignis, das summarisch und essentiell erfasst und auf das Wesen der Form wie des Verhaltens konzentriert werden müsste. Ich mag das geneigte Auditorium nur auf einige bekannte Werke Gauls hinweisen: Die Liegenden Löwen, ursprünglicher Standort die Villa Arnold in der Kolonie Ahlsen am Grossen Wannsee in Berlin (jetziger Standort Hanau, der Geburtsort August Gauls). Oder der Fischotterbrunnen aus dem Garten der Wannseevilla Max Liebermanns. Oder Der kleine Tierpark, einst bestehend aus 15 köstlichen Figuren, aus der Sammlung Leo Lewin, heute in der Nationalgalerie Berlin.
Auch Renée Sintenis (1888–1965) eroberte die Herzen des sammelnden Publikums in den 1920er und 30er Jahren. Wer kennt nicht die kleinformatigen Tierkinder: Fohlen, Esel, Rehe, Hunde mit ihren skizzenhaften, unruhig modellierten Oberflächen, die Sintenis nicht zuletzt dem Erlebnis der Werke Rodins verdankte.
Gerhard Marcks (1889-1981) Zoobesucher und Brehmleser aus Leidenschaft von Jugend an, schaffte Tiergestalten aus praller Naturfülle und lebendiger Bewegung. Meine Reverenz geht nach Halle: Kuh und Pferd für die Kröllwitzer Brücke, eine Arbeit von 1928, grüße ich vor jedem Besuch der Burg !
Betrachten wir dagegen die Tierplastiken, die Ewald Mataré (1887-1965) in den 1920er und 30er Jahren geschaffen hat (z.B. eine seiner liegenden Kühe), so sehen wir einen Abstraktionsgrad, oder wie Materé es nennt, das „Zeichen“, welches als exemplarische Form alle Spielarten des Individuums im Typus zusammenfasst.
Anders wieder Hans Wimmer (1907-1992), der sich an der Antike orientierte. Ordnung und Gesetz waren für Hans Wimmer unmittelbar an die Schönheit gebunden, und die Kunst sollte nach seiner Vorstellung nicht weniger als ein Mittel sein, die Welt zu erklären. Wimmer schrieb „ Kunst ist Sinnlichkeit. Ohne Sinnlichkeit keine Kunst. Freilich, Sinnlichkeit ohne Form ist auch keine Kunst“ .
In dieser aufgezeigten großen Traditionslinie finden wir heute Heide Dobberkau. Geboren im Jahre 1929, erhielt sie zunächst ihre künstlerische Ausbildung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, von 1947-1951, an der damaligen Werkkunstschule, heute Fachhochschule Hannover, in der Bildhauerklasse bei Hermann Scheuernstuhl, seit 1925 Professor daselbst. Hermann Scheuernstuhl, geboren 1894, war Schüler von Adolf Sautter in Pforzheim, dann von Wilhelm Gerstel in Karlsruhe und von Bernhard Bleeker in München. Nebenbei bemerkt, war Bleeker auch einer der Lehrer Hans Wimmers gewesen. Bei Scheuernstuhl erlernte Heide Dobberkau die handwerklichen Grundlagen ihrer Kunst, den Umgang mit den unterschiedlichen Materialien sowie die diversen Arbeitstechniken. Es fällt zudem auf, dass auf das Zeichnen größten Wert gelegt wurde, wobei die Tiere des Hannöverschen Tierparks die Modelle waren, an denen Form und Bewegung studiert wurden. 1951 wechselte Heide Dobberkau an die Landeskunstschule Hamburg, die heutige Hochschule für bildende Künste, wo sie sich bei dem Bildhauer Edwin Scharff (1887-1955) fortbildete. Scharff, geboren 1887 in Neu-Ulm, studierte in München zunächst Malerei bei Herterich, doch 1912-1913 während eines Pariser Aufenthaltes, beginnt Scharff plastisch zu arbeiten und wird in der Folgezeit einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer.
In den 1920er Jahren wurde er nach Berlin berufen, ab 1933 lehrte er in Düsseldorf, 1937 wurde er als „entarteter Künstler“ verfemt und erhielt ein Arbeitsverbot. Seit 1946 unterrichtete er an der Landeskunstschule Hamburg, wo er auch 1955 starb. Sein künstlerischer Nachlass wird heute im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm gehütet. Ich darf Edwin Scharff aus der Eröffnungsrede der Plastikausstellung der Berliner Secession von 1929 wörtlich zitieren: „Mit dem Wort ‚Bildhauer’ verbindet sich die Vorstellung eines in der Werkstatt handwerklich Tätigen. Manche Bildhauer bezeichnen sich gern bescheiden als Handwerker. Wir hören oft: Die Kunst kommt aus dem Handwerk. Das ist ungenau und deutet nach rückwärts. Die Kunst kommt aus der Idee, aus der Phantasie. Nur um das Formerlebnis Gestalt werden zu lassen, sind uns die Hände Werkzeug.“ Ende des Zitates.
Neben Heide Dobberkau seien Gerda Sautter de Hotzen, Ursula Querner, Georg Ernst und Klaus Luckey als Scharffs Schüler genannt. Seit 1953 in Köln lebend, bezieht Heide Dobberkau 1964 ihr selbstentworfenes Wohn- und Atelierhaus in Bensberg-Refrath, nahe Köln, im Bergischen Land. Kurz zuvor der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst beigetreten, war Heide Dobberkau die erste Möglichkeit für mich, einen Künstler am Brennpunkt seiner Arbeit, im Atelier, zu besuchen. Ein Fest der Künste, ein Fest der Sinne! Tierbronzen schon auf dem weitläufigen parkähnlich angelegten Grundstück, im Hause selbst eine Fülle von Kleinplastiken: schlafende Fledermäuse, von der Decke hängend, ein Französischer Bully, ein zusammengerollter Schlafender Hund, Heuschrecken, Schnecken, Igel: ja, eine ganze Arche Noah bevölkert das kunstsinnige und gastfreundliche Haus. In einem Schrank dann die Objekte meiner besonderen Begierde: die Kunstmedaillen von Heide Dobberkau! Es sind überwiegen einseitig gestaltete , meist hellgrau patinierte Bronzegüsse, durchgehend eigenhändig hergestellt in ihrem Atelier. Einen gemeinsamen Nenner haben fast alle ihre Medaillen: Über einem leeren Hintergrund, ohne jeglich Beschriftung, wird das Charakteristische des jeweiligen Tieres und der Situation, in der es sich befindet, in zartem, fast graphisch anmutendem Duktus, dargestellt. Da ist die wachsame Maus, die ihren Kopf an einer durch Lineatur angedeuteten Raumbegrenzung in die Höhe reckt.
Das sind die Pferde, eng zusammenstehend, sichernd. Da sind die vier jungen Schwalben, auf einem Telegraphendraht sitzend, abreisebereit, Boten des sich ankündigen Herbstes. Da ist die zuammengekrümmte tote Wespe: das Ende eines Sommers. Da sind Ziegen, Windhunde, Elefanten, Mäuse, Wespen – eine Arche Noah, ja, die ganze Tierwelt tut sich für uns auf!
Heide Dobberkaus Arbeit sind in den Medaillenkabinetten wie auch bei privaten Sammlern in der ganzen Welt zu finden, auf allen FIDEM Ausstellungen seit 1969, sowie international auch bei Kunsthändlern wie z.B. den bekannten Gillilands, Art in The Hand Gallery, St.Augustine, Florida, USA. Ja, nebenbei, was ich Heide Dobberkau, aber auch allen anderen Medaillenkünstlern , für das heutige Deutschland, für die heutige Zeit wünsche, wäre, wie einst um 1900 bei August Gaul oder Ernst Barlach, ein wieder auferstandener Paul Cassirer, der in bravouröser Manier den heutigen Künstlern eine Heimstatt schafft, einen Kunstsalon, in dem ihre Werke gezeigt, aber auch verkauft werden sollen! Sie alle haben es verdient, nicht in Auktionskatalogen zwischen Reichsmünzen und DM-Fehlprägungen vorgestellt zu werden. Nein, Sie haben es verdient, im intimen Ambiente einer Galerie, eines noblen Salons , wie z.B. einst in der Victoriastr. 35, in der Bel Etage, im Tiergartenviertel in Berlin, Heimstatt des Kunstsalons Paul Cassirer, präsentiert zu werden, oder im Rahmen einer KUNST–Auktion, nicht einer Münzauktion, oder gar in der Westfalenhalle Dortmund inmitten von Europrägungen und anderen Scheußlichkeiten.
Heide Dobberkau ist die zweite Künstlerpersönlichkeit, die die DGMK, zusammen mit der Kulturgemeinschaft Kressbronn für ihr künstlerisches Schaffen auf dem Gebiet der Medaillenkunst mit dem Hilde-Broër-Preis auszeichnet. Wir ehren Sie damit als eine Medaillenkünstlerin, welche die Kreatur TIER als zentrales Motiv in den Fokus ihres Schaffens stellt, dabei eine Traditionslinie von 1900, vom Beginn der klassischen Moderne, bis heute fortführend. Dafür haben wir zu danken! Ich darf noch einmal Hans Wimmer zitieren: „Und wenn die Wange des Kindes zu dir redet und das Auge des Tieres – halte still, bewahre den Augenblick!“
Liebe Heide Dobberkau, halten Sie noch lange diese magischen Augen-Blicke für uns fest!

Druckfassung der Laudatio in:
Die Welt en miniature. Deutsche Medaillenkunst heute. (Die Kunstmedaille in Deutschland, Band 23), Halle 2007, S. 61-63.

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